Gegencheck  zu den Gegnern des FFH-Gebietes im Allertal                                                    
Punkt 1:
Das offizielle Sicherungsverfahren endet am 31.12.2018. Dieser Fristablauf ist vorgegeben und nicht abhängig von Aktivitäten Dritter, wie z.B. der Einholung von Gutachten (die nach Ansicht der Stadtverwaltung Walsrode auch überflüssig sind, WZ 18.2.2017). Die Manage-mentpläne werden bis Ende 2020 von der UNB erstellt, bei der jeder Betroffene sich einbringen kann.
Die Beteiligung des Dachverbandes ist bisher nicht vorgesehen. In allen Arbeitskreisen wurde bislang hart aber fair gearbeitet und es wurden Kompromisse gefunden.
Punkt 2:
Die Allerniederung ist erst durch die Hochwasserregulierungsmaßnahmen, das Errichten von Hochwasserdeichen, für die Landbewirtschaftung attraktiv geworden. Finanziert wurden die Regulierungsmaßnahmen incl. der Deiche, Grabenvertiefungen und Pumpwerksbau vom Land Niedersachsen mit Bundeszuschüssen. Die durch Baumaßnahmen bevorzugten Ländereien haben so eine erhebliche Wertsteigerung erfahren. Regressforderungen für diese staatlich subventionierte Wertsteigerung gab es nicht. Heute jedoch werden für die Wertverluste seitens der Landeigentümer Entschädigungen eingefordert.
Das passt nicht wirklich zusammen!
Trotzdem stimme ich zu, dass eine angemessene finanzielle Regelung für die Betroffenen gefunden werden muss. Ob diese Entschädigung in Form eines Erschwernisausgleiches, durch Vertragsnaturschutz oder durch andere Finanzierungsmöglichkeiten gefunden wird, muss bei der weiteren Planung berücksichtigt werden.
Punkt 3:
Vor den Hochwasserregulierungsmaßnahmen war die Aller bei jedem größeren Hoch-wasser ausgeufert. Bei kleinen bis mittleren Hochwasserständen wurde die Ausuferung der Aller durch Sommerdeiche begrenzt, bei steigenden Hochwasserpegeln hat das Aller-wasser die Sommerdeiche überspült und weite Flächen des Allertales überschwemmt. Hochwasser sind in der Regel einmal im Frühjahr nach der Schnee-schmelze angefallen, ebenso stieg der Wasserpegel der Aller nach langanhaltenden Regenperioden.
Im gesamten Überflutungsbereich der Allerniederung ist Ackerbau nicht möglich gewesen und nicht betrieben worden. Das war Grünland, durchsetzt mit vielen wassergefüllten Kolken, die durch Verwirbelungen des Hochwasserflusses ausgespült und freigehalten wurden. Auf Grünland anzutreffende Einzäunungen bestanden größtenteils aus Hecken, meist Weißdorn und Schlehen. Die aktuell gebräuchlichen Einzäunungen mit Pfahl und Draht sind damals nicht angewendet worden, sie wären bei Winterhochwasser und Eisgang zerstört worden. Heute werden sie zu Todesfallen für Hase und Reh, wenn sie versuchen bei Hochwasser ret-tendes Land zu erreichen. Pumpwerke und Schleusen, wie sie heute im Allerbereich anzutref-fen sind, gab es nicht. Die Entwässerung der überschwemmten Flächen erfolgte über ein Gra-bensystem mit Gefälle zur Aller. Das Grünland wurde zur Viehhaltung und Heugewinnung genutzt.
Es gab reichlich Fisch in der Aller, so dass sich die gewerbliche Fischerei lohnte. Die Aller war in Fang-Sektionen eingeteilt, die an örtliche Fischer verpachtet waren. Das Grabensystem beiderseits der Aller, ohne jegliche Wassersperren, bot den Fischen die Möglichkeit zum Ablaichen. Hecken und Gebüschzonen, verschilfte Feuchtgebiete und die vielen, im gesamten Über-schwemmungsgebiet anzutreffenden offenen Wasserstellen waren ein Paradies für tierische Lebewesen aller Art. Dementsprechend groß war die Artenvielfalt an Tieren und Pflanzen.
Wesentliche Veränderungen am Flora und Fauna, in Anzahl und Art, brachten die Hochwass-erregulierungsmaßnahmen der Aller, bei der weite Flächen des Hinterlandes mit Winterdei-chen vom Hochwasser abgegrenzt wurden. Das Hinterland wurde und wird mit Pumpen ent-wässert. Den Pumpen wird das Wasser über ein Grabensystem zugeführt, dass aktuell in vie-len Bereichen eine Sohltiefe erreicht, die Waldgebiete und unter Naturschutz stehende Moore entwässert. Im hochwasserfreien und teilentwässerten Hinterland sind heute die Grünlände-reien intensiv genutzte Ernteflächen für Silogras, Grünland wurde umgebrochen und wird als Ackerland genutzt. Der Maisanbau hat sich etabliert.
Selbst in Überschwemmungsgebieten sind Grünländereien umgebrochen worden.
Im Überschwemmungsbiet darf Grünland nach den seit 1998 geltenden wasserrechtlichen Vorschriften (Nds. WasserG, BundeswasserhaushaltsG) nicht ohne Genehmigung der Was-serbehörde in Ackerland umgebrochen werden.
Ob dieses Verfahren in jedem Einzelfall in den vergangenen Jahren eingehalten worden ist, entzieht sich naturgemäß meiner Kenntnis; der Verlust an Grünland als solcher wird dadurch aber nicht in Frage gestellt.
Zu Ihrer Bemerkung: „Vorsicht ist geboten, üblen Nachrede.“ darf ich anmerken, dass ich niemandem einen „illegalen“ Grünlandumbruch unterstellt habe. Ihren versteckten Vorwurf empfinde ich als wenig fair und zielführend für eine sachliche Diskussion um die Belange von Naturschutz und Landwirtschaft. Er hat mich ebenso erstaunt wie der Einschüch-terungsversuch eines Ihrer Berufskollegen bei meinem Dienstvorgesetzten.
Punkt 4:
Die Qualität der Kartierungsarbeiten aus dem Planungsbüro BIOS, die die Erfassung durch-führte, wurde mehrfach vom Heidekreis kontrolliert und nicht beanstandet. Das Planungsbüro arbeitet seit Jahren für das Land.
Zur Intensivierung der Landwirtschaft gehört auch ein sehr hoher Düngemitteleinsatz. Die Stickstoffüberschüsse der Landwirtschaft betrugen im Zeitraum 2010 bis 2012 im bundesweiten Durchschnitt 101 kg/ha und Jahr. (gleitendes Dreijahresmittel UBA 2014). Häufig werden bei überhöhter Nährstoffversorgung wenige konkurrenzstarke Pflanzenarten gegenüber zahlreichen weniger wüchsigen Arten bevorteilt. Letztere werden in der Folge verdrängt.
Dass der Vogelartenrückgang sehr wohl mit Nährstoffüberschüssen in Zusammenhang ste-hen, zeigt die nachstehende Grafik „Pflanzenanbau mit Umweltschutz in Einklang bringen“, S. 7 aus Landwirtschaft 2030 - DLG e.V. 2017.
Allseits wird heute nicht mehr in Frage gestellt, dass die Hauptursache für den Rückgang von Wiesenvögeln wie Kiebitz, Rotschenkel, Bekassine, Uferschnepfe, Großer Brachvogel und Wachtelkönig der agrarstrukturelle Wandel der vergangenen Jahrzehnte ist. Als weiterer Fak-tor kommt die Flächenentwässerung hinzu, da die meisten der Vogelarten zu Brutbeginn im Frühjahr feuchte oder nasse Flächen benötigen. Bis in die 90er Jahre waren diese Arten auch im Allertal heimisch, inzwischen sind sie fast vollständig verschwunden. Ähnliches gilt auch für Braunkelchen, Rohrweihe und andere Arten extensiver Grünländereien; selbst ehedem häufige Argen wie Wiesenpieper und Feldlerche sind inzwischen auf der Roten Liste zu finden.
Der wesentliche Faktor für den Rückgang der Vögel allgemein war die Anwendung des In-sektizides Poncho-Plus in den Grünlandumbrüchen mit anschließender Nutzung zum Maisan-bau. Der darin enthaltene Wirkstoff Clothianidin, ist nicht nur als insektentoxisch einzustufen, sondern wirkt subletal auf viele weitere Lebewesen. Dazu zählen Vögel, Amphibien und Fi-sche sowie Kleinlebewesen und die Mikrobiologie des Bodens. Der Toxikologe Henk Tenne-kes hat genau die Symptome in einem wissenschaftlich orientierten Buch beschrieben und veröffentlicht.
Die Vorgabe von Mähterminen und Markierung von Gelegen ist sicherlich der richtige Weg zum Schutz unserer Bodenbrüter. Es bleibt aber zu ergänzen:
Auch nach dem Schlupf sind die Jungvögel (Nestflüchter) durch landwirtschaftliche Arbeiten gefährdet. Großmaschinen haben inzwischen Arbeitsbreiten von 12 bis 14 m. Kein Kleinge-tier ist in der Lage, den Geräten auszuweichen, zumal die Fahrgeschwindigkeiten ständig zunehmen. Auf Grünland werden daher folgende ergänzende Schutzmaßnahmen empfohlen:
Reduzierung der Mähgeschwindigkeit 8km/h
Die Mähwerksbreite ist auf maximal 3,00 m Breite zu begrenzen
Die Mahd erfolgt von innen nach außen
Durch diese Maßnahmen bleiben den Jungvögeln auf den Mähflächen Fluchtmöglichkeiten (zu den Rändern) erhalten und der Bruterfolg kann gesteigert werden, gleichzeitig werden auch andere Tiere vor Mähverlusten geschont z.B. Jungwild. Für Hasen sind Maschinen mit großen Anbaugeräten und großer Breite nicht mehr lokalisierbar, die Fluchtmöglichkeit ent-fällt. Auch Wildretter können zum Einsatz gebracht werden. (Naturschutzstiftung Ldkr. Osn-abrück/DBU Gezielte Artenschutzmaßnehmen für Wiesenvögel in der Agrarlandschaft April 2009)
Wie die Ergebnisse aus der Erfolgskontrolle vieler Wiesenvogelschutzprojekte zeigen, ist der Einfluss von Prädatoren aus der Luft, wie beispielsweise Krähen und Bussarde, viel geringer als der von „Boden-Prädatoren“. So konnte mittels Wildkameras und der Untersuchung aus-genommener Gelege nachgewiesen werden, dass das Gros der Gelegeverluste nachts stattfand und auf Raubsäuger wie Fuchs, Marder und Wiesel zurück zu führen war. Weiterhin bleibt anzumerken, dass intakte Heckenlandschaften gute und sichere Fluchtmöglichkeiten bieten, wie in Punkt 5 ausführlich beschrieben.
Die Debatte um das Jakobskreuzkraut wird von irrealen Ängsten bis hin zu hysterischen Be-zichtigungen angeheizt und durch fachlich nicht haltbare Behauptungen und plakativem Akti-onismus bestimmt. Die zweijährige Pflanze gehört seit jeher zur heimischen Flora und enthält – ebenso wie andere Vertreter der Kreuzkraut-Gattung und etliche weitere Pflanzenarten - Pyrrolizidinalkaloide (PA). Sie werden nach dem Fressen der Pflanze zu Pyrrolen abgebaut, die zu schweren Leberschäden führen können. Den Pflanzenfressern wird die Giftigkeit durch Bitterstoffe signalisiert, so dass das Jakobskreuzkraut konsequent gemieden wird. Allerdings verlieren abgestorbene Pflanzenteile den bitteren Geschmack, nicht aber die PA. Deshalb wird Jakobskreuzkraut erst dann gefährlich, wenn es in Heu oder Silage enthalten ist - oder aber nach der Mahd auf der Viehweide liegen bleibt. Dennoch sind selbst Verdachtsfälle einer Vergiftung mit in der Pflanze enthaltenen Pyrrolizidinalkaloiden (PA) verschwindend gering. Gesicherte toxikologische Nachweise von Pferd, Rind oder Schaf liegen kaum vor. Auch Menschen sind durch angeblich verseuchten Honig nicht zu Schaden gekommen. Bei einer Analyse von 126 Honigproben aus verschiedenen Gebieten Schleswig-Holsteins lagen nur sieben Proben, d.h. 6 %, über dem vom Bundesinstitut für Risikobewertung empfohlenen PA-Grenzwert von 140 Mikrogramm pro kg Honig. Einen behördlich festgesetzten und damit rechtsverbindlichen Grenzwert für PA gibt es jedoch bislang weder auf nationaler noch inter-nationaler Ebene. 53 % der Proben befanden sich meist deutlich unter dem Empfehlungswert, bei weiteren 41 % war ein PA-Nachweis technisch sogar nicht möglich. Selbst bei einer wei-teren Untersuchungsreihe, gezielt mit Honig aus Gegenden mit besonders reichen Jakobs-kreuzkraut-Beständen, lagen die Ergebnisse zu 85 % unterhalb des Empfehlungswertes. Beide Reihen griffen ausschließlich auf Honig der Sommertracht zu, um die Blütezeit des Jakobs-kreuzkraut mit einzubeziehen. In Fachkreisen hat sich daher inzwischen die Erkenntnis durchgesetzt, dass eine effiziente Bekämpfung des Jakobskreuzkrautes auf dessen bevorzug-ten Wuchsorten mit vertretbaren Mitteln weder möglich noch notwendig ist.
Punkt 5
Frei wachsende, naturnahe Hecken mit ihrer Kraut-, Strauch- und Baumschicht haben nicht nur eine wichtige kulturhistorische Bedeutung, sondern stellen einen einzigarten Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzengesellschaften dar. Sie erfüllen vielfältige biologische Funk-
tionen, sind zugleich Nahrungsbiotop und Schlafplatz, dienen als Versteck, Ansitz und Sing-warte, bieten Raum für Bauten und Nester, werden zur Überwinterung und Orientierung ge-nutzt und stellen ein wichtiges Vernetzungselement zu anderen Teilen offener Landschaften dar. Kurzum: Hecken sind die Lebensadern unserer Kulturlandschaft. Aufgetürmtes Strauch-gut kann diese biologischen Funktionen in keiner Weise ersetzen.
Seit Jahren kann man in der gesamten Allermarsch das traurige Ergebnis unsachgemäßer „Heckenpflege“ betrachten. So konstatierte bereits der Ahldener Chronist Rainer Hendricks 2006 den „erschreckenden Verlust an Hecken durch Rodung und mangelnde Pflege“ und for-derte Aufklärung, Einsicht und Kontrolle, um die einmalige Heckenlandschaft zu erhalten. Trotz dieser Mahnung hat sich die Situation seither kontinuierlich verschlechtert.
Aus einer blühenden, artenreichen Heckenlandschaft ist eine trostlose, ausgeräumte Agrar-landschaft geworden, die Radfahrern und Spaziergängern freie Sicht auf Windkrafträder und Biogasanlagen beschert. Jahr für Jahr werden weitverzweigte Heckensysteme total zurückge-schnitten, obwohl diese Maßnahme höchstens bei einem Drittel aller Gehölze eines Bestandes durchgeführt werden darf und nicht häufiger als alle 5-7 Jahre erfolgen sollte. Bereits in Ab-schnitten, die länger als 10m sind, sollten nicht alle Gehölze gleichzeitig zurückgeschnitten werden. Bei einer sachgerechten, naturverträglichen Heckenpflege bleiben nicht nur die bio-logischen Funktionen erhalten, sondern es fällt auch weniger Heckenschnitt an.
Durch ungeeignetes Arbeitsgerät weisen zahleiche Zweige und Äste Risse, Spalten und Quetschungen auf, so dass Pilze und Bakterien un-gehindert eindringen und die Regeneration verhindern können. Doch nicht nur das natürliche Wachstum von Gehölzen wird erheblich ein-geschränkt oder gänzlich zerstört, auch Bäume, die als so genannte „Überhälter“ das Erscheinungsbild vieler Hecken prägen, werden ent-fernt oder so zurecht gestutzt, dass sie keine natürliche Krone ausbil-den können.
Heckenschnitte Allermarsch Februar 2017
Nistplatz? Winterquartier? Sonnenbank? Naturgenuss?
Die negativen Folgen des schonungslosen und zerstörerischen Umgangs mit unserem Natur-erbe auf Artenreichtum, Naturhaushalt und Landschaftsbild sind längst überall sichtbar. Die Aufenthaltsqualität und der Erholungswert für Einheimische und Touristen werden erheblich geschmälert.
Nektarquelle? Singwarte? Beerenschmaus? Jagdrevier?
Punkt 6
Deutschlandweit ist es in den vergangenen 15 Jahren zu einem alarmierenden Rückgang blütenbestäubender Hummeln, Wildbienen, Schmetterlingen und anderen Insekten gekommen. So ist beispielsweise die Biomasse der Fluginsekten in Nordrhein-Westphalen in diesem Zeit-raum um bis zu 80 Prozent, in Niedersachsen um fast 70 Prozent (WZ 30.3.17 MU Wenzel) zurückgegangen - für jedermann mittlerweile ersichtlich durch die fast kaum noch ver-schmutzten Windschutzscheiben durch Insektenschlag - was wiederum erhebliche Folgen für insektenfressende Vogelarten, wie z.B. Schwalben, hat.
Bestandseinbrüche wurden vor allem bei den auf blütenreiche Wiesen und Feldsäume ange-wiesenen Hummelarten festgestellt, die heute in Folge der intensiven Landwirtschaft fast aus-nahmslos gefährdet sind. Von den in Deutschland nachgewiesenen 547 Wildbienenarten ste-hen bereits mehr als die Hälfte auf der Roten Liste. Die Hauptursachen liegen zum einen im Einsatz insektentoxischer Pestizide und zum anderen in der Blütenarmut der intensiv genutz-ten Feldflur. Während Wiesen, Weiden und selbst Äcker früher ein Meer an Blüten boten, setzten sich die intensiv gedüngten Grünländer heute fast nur noch aus Hochleistungsgräsern zusammen. Das Phänomen der blütenarmen Landschaft tritt besonders ab Juni zutage, wenn nach der Mahd keine blühenden Wiesen und Weiden sowie Feld- und Wegsäume und wild-krautreichen Äcker mehr zur Verfügung stünden. Auch durch die mehrmalige Mahd von Straßen- und Wegeböschungen gehen wichtige Blütenstandorte und Wildbienen-Nistplätze verloren.
Das Bienensterben ist also lediglich eine spezielle Form des allgemeinen Insektensterbens, der aufgrund der wirtschaftlichen Bedeutung der Honigbiene besonders viel Aufmerksamkeit beschenkt wurde. Sichtet man einschlägige Publikationen, so lassen sich hierfür folgende – fast ausnahmslos menschengemachte – Gründe feststellen:
1. Insektizide: In der konventionellen Landwirtschaft, im konventionellen Obst- und Gemüse-bau und in vielen Haus- und Kleingärten werden Insektenvernichtungsmittel (Insektizide) eingesetzt, um so genannte Schädlinge zu töten. Doch die Mittel treffen alle Insektenarten und führen entweder zu ihrem sofortigen Tod oder zu zahlreichen subletalen Folgeerscheinungen. Als besonders problematisch gelten systemische Insektizide, die sich in allen Teilen der Pflanzen ausbreiten und so auch Bienen treffen, die Pollen, Nektar oder Guttationstropfen (Wasser, das Pflanzen ausscheiden) sammeln. Zu dieser Gruppe gehören auch Neonicotinoi-de, die Bienen schon in sehr kleinen Mengen schädigen. Sie führen nachweislich zu Entwick-lungsstörungen (Gehirn- und Zellfunktionen, Wärmeregulation, Atemmuster), Störungen der Mobilität, Navigation und Orientierung sowie zu Beeinträchtigungen im Sammel- und Lern-verhalten. Subletale Folgen systemischer Insektengifte lassen sich nicht durch nächtliches Spritzen verhindern!
2. Der Cocktaileffekt: Die Insekten nehmen aus der Luft, dem Wasser und den Pflanzen un-zählige Gifte auf, die in der Landwirtschaft eingesetzt werden. Dieser Chemikaliencocktail kann sehr viel gravierendere Wirkungen haben als einzelne der Stoffe für sich alleine, was bei der Zulassung von Pestiziden unbeachtet bleibt.
3. Monotone Agrarlandschaften: In ausgeräumten, monotonen Agrarlandschaften ohne Kräu-ter, Blühpflanzen und blühende Hecken (siehe Fakt 5) finden die Bienen keine Nahrung. Im konventionellen Getreideanbau und in Maisfeldern für Biogasanlagen blüht nichts. Auch in auf höchste Erträge angelegtem, häufig gemähtem Grünland gibt es kaum mehr Blühpflanzen.
Deshalb ist der Honigertrag in Städten inzwischen oft höher als auf dem Land, wo die Bie-nenweide hauptsächlich aus Obstbäumen, Löwenzahn und Rapsblüten besteht. Doch wenn im Juni Raps und Obstbäume nicht mehr blühen und die Löwenzahnwiesen gemäht sind, tritt bei den Bienen ein Futterschock ein. Gerade gab es noch ein sehr großes Angebot, doch im Sommer findet sich plötzlich nur noch wenig Nektar.
4. Unachtsame Mahd: Wird Grünland mit Löwenzahn oder Klee, eine blühende Zwischen-frucht oder blühendes "Straßenbegleitgrün" zur besten Bienenflugzeit bei schönem Wetter gemäht, können in den Mähwerken zehntausende Bienen auf einem Hektar sterben.
5. Die Varroamilbe: Varroa destructor ist eine nur 1-2mm große Milbe, die Bienenstöcke befällt, den erwachsenen Arbeiterinnen Blut absaugt und ihre Eier in die Brut der Bienen legt. Der Parasit kommt ursprünglich aus Asien. Während die asiatischen Honigbienen (Apis cerana) die Milben aushalten, ist die in Europa, Afrika und den Amerikas verbreitete Apis mellifera sehr anfällig. Die Varroamilbe wurde erst in den späten 1960er Jahren nach Osteuropa ein-geschleppt und ist inzwischen fast auf der ganzen Welt verbreitet.
Auf Grund ihrer langen Erfahrung vertreten viele alte Imker die Ansicht, dass eine Biene durch Varroamilben nicht zu Schaden kommt, wenn die Bienenkörbe in einer pestizidfreien Umgebung aufgestellt sind. Die Bienen halten durch ihren angeborenen Putztrieb die Varroa unter Kontrolle.
6. Der Klimawandel: Die Erderwärmung führt unter anderem dazu, dass viele Blühpflanzen, wie zum Beispiel der Löwenzahn, heute früher blühen als noch vor wenigen Jahrzehnten. Der frühere Blühzeitpunkt bringt den Rhythmus der Bienenvölker im Frühjahr durcheinander. Das kostet die Völker viel Energie. Warme Winter und lange Trockenheitsphasen im Frühjahr und Sommer stressen die Bienen zusätzlich.
Punkt 7
Aus der landwirtschaftlichen Düngung resultieren ca. 90 % der dem Boden zugeführten Stick-stofffracht. Die restlichen 10 % werden durch den Lufteintrag von Ammoniak aus der Vieh-haltung sowie aus der Emission von Stickoxiden aus Industrieanlagen und Verkehr einge-bracht (NLWKN 2001). Die langjährige, intensive Stickstoffdüngung in der Landwirtschaft führt zu einer höheren Auswaschung und damit zu einem Anstieg der Nitratgehalte im Grundwasser. Der Humusgehalt der Ackeroberflächen ist rückgängig. Rückgeführte Dünger in Form von Gülle und Gärreste enthalten einen relativ geringen Anteil an faserigem Kohlen-stoff, an Pflanzenresten. Es sinkt die Speicherfähigkeit des Bodens für Niederschlagswasser. Überschüssige Nitratanteile des Bodens werden somit schneller ausgewaschen und in Grund- und Oberflächengewässer geleitet.
Die Mikrobiologie des Bodens wird durch Anwendungen von Pestizidwirkstoffen aller Art geschädigt. Erst Kleintiere, Bakterien sowie Pilzkulturen schaffen eine poröse, lockere Bo-denstruktur, erforderlich, das Niederschlagswasser langzeitig zu speichern. Einen wesentli-chen Anteil an der Umsetzung zugeführter Pflanzenreste haben Regenwürmer. Pestizidwirk-stoffe hemmen die Entwicklung der Würmer, die Anzahl der Würmer im Boden sinkt. (For-schungsbericht der Universität für Bodenkultur Wien 6.08.15)
Nicht zu unterschätzen sind die Wechselwirkungen der ausgebrachten verschiedenen Pesti-zidwirkstoffe auf die gesamte Bodenbiologie.
In intensiv landwirtschaftlich genutzten Regionen werden mittlerweile Konzentrationen deut-lich über dem zulässigen EU-Grenzwert von 50 mg/l erreicht. Inzwischen gilt das auf fast einem Drittel der Fläche der Bundesrepublik. In Nordrhein-Westfalen 40 Prozent, Schleswig-Holstein 50 Prozent und in Niedersachsen sogar auf mehr als 60 Prozent der Fläche (Zeit.de 16.09.16). Laut einem Gutachten der Wasserwirtschaft könnten die Wasserpreise demzufolge um bis zu 62 Prozent steigen, um Trinkwasserqualität wieder herauszufiltern.
Zudem trägt Nitrat zur Eutrophierung von Oberflächengewässern sowie der Küstengewässer und Meere bei. (Parameterblatt NLWKN 2014)
Ein Nitratwert von >0,5mg/l im oberflächennahen Grundwasser, das ist in vielen Trinkwas-sereinzugsgebieten Norddeutschlands bereits ein Anzeichen einer Nitratfremdzuführung. Im natürlichen Grundwasservorkommen dieser Gebiete sind Nitratwerte nicht nachweisbar, bzw. Messtechnisch unter der Nachweisgrenze. Nitratwerte im Sickerwasser unter ökologischen intakten Landflächen in Tiefen unterhalb des Wurzelsystems der Pflanzen sind ohne Fremd-zuführung von Stickstoff in der Regel mit 0,0 bis <5mg/l anzusetzen.
Umso wichtiger ist daher eine Beschränkung der Düngungsausbringungsmengen in Schutzge-bieten.
Punkt 8
Nach der Wertung des Bundesnaturschutzgesetzgebers sind Vielfalt, Eigenart und Schönheit von Natur und Landschaft auch für die Erholung des Menschen nachhaltig zu sichern. Dabei besitzen insbesondere abwechslungsreich gegliederte Landschaften einen hohen Erlebniswert. Ausgeräumte, von Monokulturen geprägte Landschaften, die gleichförmig und unstrukturiert wirken, stellen das Gegenbild dar. Nachhaltigen Tourismus kann man nur fördern, indem man das, was Vielfalt, Eigenart und Schönheit der Landschaft ausmacht, erhält und pflegt. Hecken und Wälder, Stillgewässer u.a. gehören dazu, sie sind landschaftsbildprägende Strukturele-mente, deren Schutz daher einen hohen Stellenwert hat.
Der beste Weg, diese Form des Tourismus in unserer Region zu fördern, ist zweifellos die Unterschutzstellung der Alleraue, denn nur so lässt sich garantieren, dass unser Naturkapital langfristig erhalten bleibt. Nachhaltigkeitskonzepte sind ohne Weitblick gar nicht denkbar, Kurzsichtigkeit gehört hingegen zu den Wesenszügen eines auf die Befriedigung von kurzle-bigen Trends und Modeerscheinungen ausgerichteten Tourismus. Es reicht jedoch nicht al-lein, die verbleibenden Bestände an Naturkapital zu erhalten, sondern man muss darüber hin-aus in diese investieren und dafür sorgen, dass auch außerhalb der Schutzgebiete eine vielfäl-tige Kulturlandschaft erhalten bleibt. Das Allertal hat(te) ein hohes Entwicklungspotential für nachhaltigen Tourismus – wir sollten es nicht leichtfertig verspielen.
Ihren sehr allgemein gehaltenen Ausführungen kann ich nicht sehr viel entnehmen. Welchen Tourismus will der Verband fördern? Erlebnisparks? Und was meinen Sie mit Projekten? Welchen Weitblick meinen Sie? Den von Hecken nicht mehr gehinderten von Böhme nach Rethem? Welche flexiblen Formulierungen schweben Ihnen vor?
Punkt 9
Die Subventionierung der Landwirtschaft durch die EU sollte sowohl sachlich als auch argu-mentativ von dem Ausgabeverhalten der einzelnen Bürgerinnen und Bürger getrennt werden.
Die Vergabe von Subventionen ist eine politische Entscheidung, das Kaufen von Konsumgü-tern eine private, auch wenn damit weitreichende Folgen verbunden sind. Richtig ist, dass in Deutschland der Anteil der Ausgaben für Lebensmittel gemessen am Einkommen nach wie vor sinkt. Im europäischen Vergleich gehören wir zu den Top-10-Pfennigfuchsern und welt-weit liegen wir sogar auf Platz 4. Der erbitterte Kampf der Supermärkte und Discounter um Marktanteile sorgt für niedrige Preise, sie liegen um rund 15% bis 20% niedriger als bei unse-ren europäischen Nachbarn. Für die Produzenten hat dies verheerende Folgen, die Ihnen als Landwirt bestens bekannt sind. Der immer widerkehrende Ruf nach Subventionen und Hilfs-geldern konnte die Lage der bäuerlichen Landwirtschaft in der Vergangenheit nicht wirklich verbessern. Doch statt sich endlich für ein Ende dieser absurden und existenzbedrohenden Preisspirale einzusetzen, wird immer wieder der Ruf nach weiteren Subventionen und Hilfs-geldern laut. Dass der Fehler im System steckt, lässt sich kaum bestreiten und wird auch in dem DLG Positionspapier „Landwirtschaft 2030 – Signale erkennen. Weichen stellen. Ver-trauen gewinnen“,- bestätigt. Dass es auch anders geht, demonstriert eine Reihe alternativer Produktions- und Vermarktungsformen, die Landwirten und Landwirtinnen ein gesichertes Einkommen bescheren und dem Wunsch der Verbraucher/innen nach Regionalität, Ressour-censchonung und artgerechter Tierhaltung entsprechen. Konzepte wie „Solidarische Land-wirtschaft“ oder „Tierpatenschaften“ erfreuen sich zunehmender Beliebtheit und auch außer-halb des Biosegments gibt es Direktvermarkter wie beispielsweise Hemme-Milch, Asendorfer Milch und den Milchhof Grimmelmann in Schweringen, die trotz deutlich höherer Preise wettbewerbsfähig sind.
Punkt 10
Sinn und Zweck des Dachverbandes erschließen sich der Öffentlichkeit nicht ohne weiteres. Die Schlagzeile des Artikels zur geplanten Gründung des Dachverbandes der Walsroder Zei-tung vom 8.01.2017 lautete: „Starkes Gegengewicht bilden“. Es wurde berichtet, dass einer der Initiatoren des Verbandes „das Gefühl habe“, die Kreisverwaltung wolle die Schutzge-bietsausweisung nach „Kahlschlagsmentalität“ betreiben. Diese Wortwahl zeugt nicht von Unterstützungsabsichten und positiver Begleitung des Verfahrens durch den Dachverband.
Eine Satzung des Dachverbandes oder auch nur ein Entwurf ist bislang nicht öffentlich ge-macht – warum eigentlich nicht? Das schürt natürlich Misstrauen und den Verdacht, dass Rechtsanwalts- und Gutachterkosten in fünfstelliger Größenordnung von einigen auf viele abgewälzt werden sollen. So sieht es auch der Samtgemeindebürgermeister Gehrs aus Schwarmstedt: „ Was kann dieser Verband noch bewirken, außer einen Rechtsanwalt damit zu betrauen, das alles noch einmal infrage zu stellen? Die Interessen des Verbandes sind si-cherlich nicht die der Gemeinde. Wir sehen in dem Beitritt einfach keinen Sinn.“ ( WZ 1.04.17)
Die in vielen Sitzungen aufgeworfenen Fragen über Kündigungsfristen, Zustimmung des Verbandes bei Kündigung, Genehmigung des Landkreises, Nachschussverpflichtungen der Mitglieder sowie der Mehrfachbeitritt und damit einhergehende Belastung durch Zwangsmit-gliedschaft in anderen Verbänden, Vereinen, Eigenjagdbezirken oder Genossenschaften sind keineswegs banal. Hier fehlt es an Transparenz; sollten diese Punkte inzwischen geklärt sein, hat der öffentliche Druck sicherlich dazu beigetragen.
Lassen Sie mich abschließend noch anmerken, dass ich die Diskussion mit Ihnen als Bürger, nicht als Landesbeamter führe. Gleichwohl ergreife ich die Gelegenheit, Ihnen Leitbild und Sicht der Niedersächsischen Landesforsten vorzustellen:
Zum Leitbild der Niedersächsischen Landesforsten als ein öffentlich geführtes Unternehmen gehört es, dass wir eine besondere gesellschaftliche Verantwortung haben. Diese bezieht sich auf die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion des Waldes.
Diese Ziele sind gleichrangig zu behandeln. Fließgewässer und ihre Auen sind von Natur aus besonders artenreich. Sie können als „Hotspots“ der Artenvielfalt gelten. Der Werterhalt gilt hier eindeutig der Natur! Die Einzigartigkeit des Hartholzauenwaldes Schlenke hat die Lan-desforst schon sehr früh erkannt und seit 1973 auf großen Teilen in ein Naturwaldreservat ausgewiesen. Oberstes Prinzip ist die Vermeidung jeglicher Störungen der natürlichen Pro-zesse in den Naturwäldern. Dies gilt gleichermaßen für Flora und Fauna, Boden und Wasser-haushalt. Die Schutzkategorie ist im Nds. Ministerialblatt v. 26.01.2011 genau definiert und geht weiter über die Schutzverordnungen eines NSG hinaus.
Zu dem Naturwaldreservat kommen noch weitere Sonderformen wie Naturwirtschaftswälder, lichte Wirtschaftswälder und Sonderbiotope (insbesondere Grünland) hinzu.
Verbliebene Flächen stehen seit dem letzten Jahr für das Natürliche Waldentwicklungskon-zept 10 (10% Landeswaldfläche werden aus der Produktion genommen) dem Naturschutz zur Verfügung. Daraus wird ersichtlich, wie hoch wir den Naturschutzaspekt bewerten.
Die dadurch entstehenden Kosten und Ertragsausfälle müssen von der Landesforst erwirt-schaftet werden. Die im Übrigen keine Subventionen erhält und in den Jahren 2005 bis 2015 jährlich ca. 10 Mio € Überschuss erwirtschaftete und davon 60 % an den Finanzminister ab-führt sowie alle Bezüge, Gehälter und Pensionsrückstellungen bezahlt.
Ahlden, den 02.04.2017
Gerd Jülke

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Aktuelle Termine

Dienstag, 27. November 2018

Vorstandssitzung - für NABU-Mitglieder öffentlich

 

Wann: 19.30 Uhr

Wo:    Gasthaus Meding

         Dorfmark, Poststr. 10

Info:    K.Thiele, Tel. 05164-1435