Pressemitteilung - März 2024

Quo vadis, Kiebitz? –

NABU-Exkursion zum Vogel des Jahres 2024

Kiebitz (Foto: F.U.Schmidt)
Kiebitz (Foto: F.U.Schmidt)

Als Charaktervogel offener Grünlandgebiete war der Kiebitz bis in die zweite Hälfte des letzten Jahrhunderts auch in der Allerniederung ein verbreiteter Brutvogel, der vor allem extensiv genutzte Wiesen und Weiden sowie Überschwemmungsflächen besiedelte. Nach der Rückkehr aus den Überwinterungsgebieten kündigten seine akrobatischen Loopings, Sturz- und Steilflüge und die weithin hörbaren Rufe den nahenden Frühling an und machten den Gaukler der Lüfte zu einem Sympathieträger, der von der Landbevölkerung mit regionaltypischen Namen wie Kiwitt und Piewit belegt wurde. Seither ist der Bestand  im Heidekreis stark rückläufig, die Anzahl der Brutpaare sank zwischen 1991 (293 BP/RP) und 2020 (96 BP/RP) um 67%, bundesweit war zwischen 1992 und 2016 sogar ein Rückgang um 88% zu verzeichnen. So wurde innerhalb weniger Jahrzehnte aus dem früheren „Allerweltsvogel“ eine stark gefährdete Art, die in Deutschland zum zweiten Mal zum „Vogel des Jahres“ gekürt wurde. 

 

Als Hauptursachen für die dramatischen Bestandseinbrüche des unverwechselbaren Kulturfolgers mit der auffällige Federholle gelten neben dem ungebremsten Flächenverbrauch und der Zerschneidung von Lebensräumen vor allem der Verlust geeigneter Bruthabitate durch Entwässerungs-, Ausbau- und Eindeichungsmaßnahmen sowie die Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung. Da mit der Zunahme von Intensivgrünland die bei Kiebitzen beliebten feuchten Standorte mit niedriger, lückiger Vegetation und Rundumsicht immer mehr verschwanden und sich aufgrund früher und häufiger Mahdtermine kaum Bruterfolg einstellte, verlagerte sich das Brutgeschehen in die Ackerlandschaft, wo bevorzugt mit Sommergetreide oder Mais bestellte Felder ausgewählt werden. Doch auch hier drohen dem Bodenbrüter, der zumeist vier gut getarnte Eier in eine offene Nestmulde legt, Verluste durch Fressfeinde, Bodenbearbeitung, Einsaat sowie chemischer und mechanischer Beikrautbekämpfung. Wie diese Gefahren durch einen Schulterschluss von Landwirtschaft und Naturschutz reduziert werden können, erfahren Interessierte am 7. April auf einer rund zweistündigen Exkursion in die Allermarsch, die um 10.00 Uhr von der Alten Landstraße am Brauhaus vor den Toren Ahldens startet.
Info: Dr. Antje Oldenburg, Tel. 05164-801113.