Heimische Sträucher

Artenvielfalt im Garten

Von wilden Beeren und vielen Vögeln

Man kann die Sache mit den vielen Vögeln von der Seite der Wildsträucher aus sehen. Denn die machen eine Art Sonderangebot an die Vogelwelt. Es heißt: Biete Eiweiß, Zucker, Fette und reichlich Vitamine frei Strauch zur Selbstbedienung an. Das Ganze wird adrett serviert in Form von knallbunten Beeren, die möglichst weit gesehen werden sollen. Auf dieses Angebot haben sich die Vogelarten verschieden stark eingelassen. Die einen sind zu ausgesprochenen Fruchtfressern geworden und damit auch zum großen Teil abhängig vom Wildstrauchangebot. Die anderen erliegen nur hin und wieder der süßen Verlockung. Bei ihnen gehören Wildbeeren zur Beikost.

 Die Früchte des Sanddorns bieten viel Vitamine, auch für den Menschen
Die Früchte des Sanddorns bieten viel Vitamine, auch für den Menschen

Auch vermeintlich spezialisierte Insektenfresser lassen sich gar nicht so selten vom Fruchtangebot verführen. So verzehrt etwa die Kohlmeise neben Insekten auch die Früchte von 23 Wildstraucharten. Die Masche mit dem Fruchtangebot funktioniert: Innerhalb absehbarer Zeit sind die Sträucher wie leergefegt. Hinter dem Ausverkauf der Früchte steckt ein biologischer Sinn. Die Gefiederten helfen so bei der Verbreitung der Straucharten. Denn wie im echten Supermarkt handelt es sich bei den Wildfrüchten zumindest teilweise um Mogelpackungen. Inmitten des köstlichen Fruchtfleisches steckt ein Same verborgen. Er wird vom hungrigen Vogel wohl oder übel mitgeschluckt und in der Regel unverdaut ausgeschieden. Jetzt erst sind die Samen keimfähig, wobei der anhaftende Kot einen Nährstoffvorrat mitliefert. Man kann die Sachen mit den wilden Beeren aber auch von der Seite der Vögel aus sehen. Da mag es zwar ein üppiges Angebot von Wildfrüchten geben, aber nicht alle schmecken gleich gut. Einige von ihnen scheinen wahre Renner zu sein. Sträucher wie der Schwarze Holunder oder das Europäische Pfaffenhütchen werden mir nichts, dir nichts abgeräumt. Viele Zugvögel stärken sich an ihnen für die Reise gen Süden. Andere Früchte wie etwa die Wildformen der Schwarzen Johannisbeere scheinen dagegen die reinsten Ladenhüter zu sein. Gerade mal drei Vogelarten interessieren sich hierfür.

Grünfinkenmahl an Hagebutte
Grünfinkenmahl an Hagebutte

Und für wieder andere gibt es zwar genügend potentielle Abnehmer, aber die Beeren sind doch so unappetitlich, daß sie erst zu allerletzt weggehen. Der Gemeine Schneeball ist hierfür ein Beispiel. Seine Früchte werden oft erst im Spätwinter bei extremen Nahrungsmangel angerührt. Sie spielen daher für das Überleben zu dieser Zeit eine wichtige Rolle.

Übersicht der Wildsträucher

Hitparade der heimischen Fruchtsträucher


(Klicken Sie in die Tabelle, um eine größere Ansicht zu erhalten)

Vom heimlichen Leben in heimischen Sträuchern

Brütende Hitze liegt über der Hecke. Gerade die richtige Temperatur für Schwebfliegen, die zwischen Zweigen hin- und hersausen. Schmetterlinge schaukeln durch die Luft. Und winzige Wildbienen haben mehr als genug zu tun, um jede Blume am Heckenrand zu besuchen. Das Insektenleben erreicht in den warmen Hochsommertagen in der Wildsträucherhecke seinen Höhepunkt. Es summt, flattert und fliegt, krabbelt, kriecht und frisst an allen Ecken und Enden. Und doch ist dies nicht mehr als ein Bruchteil des wirklichen Heckenlebens, das sich größtenteils im Verborgenen abspielt.

 Die Graue Fleischfliege wurde von den Früchten der roten Heckenkirsche angelockt
Die Graue Fleischfliege wurde von den Früchten der roten Heckenkirsche angelockt

Der Besitzer exotischer Gehölze im Garten wird solch reges Leben vermissen. Zwar verweist er stolz auf die Honigbienen, die seinen Cotoneaster umschwärmen oder die Amseln, die sich an den Beeren der Mahonien gütlich tun. Doch ist es damit meist auch schon getan. Dieser vermeintliche Wert der fremdländischen Gehölze verblasst, betrachtet man die heimischen genauer. Können wir an Mahonie und Cotoneaster nur Allerweltstiere beobachten, so suchen wir Spezialisten dort vergeblich. Anders an den heimischen Gehölzen, die sich im Jahrtausende dauernden Spiel der Evolution aneinander angepasst haben. Oft sind Dutzende von Tierarten eng mit einzelnen Sträuchern verknüpft. Beispielsweise bietet die Schlehe für 112 Groß-Schmetterlingsarten eine Lebensgrundlage. Vier Arten davon können nur an Schlehen gedeihen und von den heimischen Weiden sind sogar 213 Insektenarten auf Gedeih und Verderb abhängig. Der Strauch Buddleja, ein Exot aus Südeuropa, während der Blüte zwar von zahllosen Schmetterlingen umflogen, wird an ihm jedoch kein Falter seine Eier legen. Der Strauch bietet zwar den ausgewachsenen Faltern Nektar, für die Fortpflanzung ist er jedoch wertlos, da die Raupen auf den Blättern verhungern würden.

Vom Blattwerk der heimischen Sträucher leben viele Insektenarten. Hier fressen Gespinstmotten an Blättern von Pfaffenhütchen
Vom Blattwerk der heimischen Sträucher leben viele Insektenarten. Hier fressen Gespinstmotten an Blättern von Pfaffenhütchen

Häufig beklagen sich Gartenbesitzer im Frühjahr darüber, dass die Kohlmeisen-Brut im eigens in die Sitka-Fichte gehängten Nistkasten erneut zugrunde gegangen ist. Ursache dafür ist meist Nahrungsmangel. Denn die Altvögel können ihre Sprösslinge nicht mit Körnern großziehen, sondern sind emsig auf der Suche nach kleinem Krabbelzeug. Wer Fraßspuren an den Blättern exotischer Gehölze gesucht hat, der weiß, wie unmöglich es hier ist, genug Nahrung für eine Schar hungriger Jungmeisen zu finden. Den wundert es auch nicht mehr, dass der Bruterfolg in Gärten mit heimischen Sträuchern höher ist als im gereinigten Modegarten. Hecken aus heimischen Sträuchern sind eine unerschöpfliche Nahrungsquelle für das Insektenreich und damit für unzählige andere Tierarten. Sie sind in die Abläufe der Natur eingepasst und bieten zu jeder Jahreszeit das Richtige an.

Beispiel einer Nahrungskette im Garten

(Klicken Sie auf das Bild, um eine größere Ansicht zu erhalten) Skizze von F. Baudisch

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