Pressemitteilung - März 2026

Damit es wieder summt und brummt

NABU Heidekreis gibt Hinweise zur Artenvielfalt im Garten

Naturnaher Garten bietet Wildbienen und Solitärwespen Nahrung und Lebensraum (Foto: Christine Kuchem/NABU)
Naturnaher Garten bietet Wildbienen und Solitärwespen Nahrung und Lebensraum (Foto: Christine Kuchem/NABU)

Heidekreis. Tag für Tag schreitet der Artenschwund voran, gehen Lebensräume, Tier- und Pflanzenarten unwiederbringlich verloren. Die Ursachen sind kom­plex, doch spielen vor allem die Intensivierung der Landwirtschaft mit ihren ho­hen Pestizideinsätzen und dem Verlust an kleinräumigen Strukturen wie He­cken, Wegrändern und Feldrainen, die Versiegelung von Freiflächen durch den Bau von Verkehrswegen und die Ausdehnung von Siedlungs- und Gewerbeflä­chen eine zentrale Rolle. Obwohl öffentlichen und privaten Grünflächen eine steigende Bedeutung für Artenvielfalt und Naturerleben zukommt, ist der Trend zu pflegeleichten Gärten mit Kies- und Schotterflächen, Pflasterungen, sterilen Rasenflächen und fremdländischen Gewächsen ungebrochen. Gleichzeitig wer­ben Gartenzen­tren und Baumärkte als Reaktion auf den dramatischen Rückgang an Wildbienen, Hummeln, Wespen, Schwebfliegen und Schmetterlingen mit dekorativen Insektenhotels in unterschiedlichen Größen, Formen und Farben, die jedoch aufgrund ihrer Bauweise und der verwendeten Materialien als Le­bensraum für Insekten oftmals völlig ungeeignet sind. So mögen Tannenzapfen, Holzwolle oder Samenkapseln zwar hübsch anzuschauen sein, bieten jedoch keinen Mehrwert für Wildbienen und solitäre Wespen, die zum Ablegen ihrer Larven vor allem hohle Bambus- oder Schilfstängel oder in Holz gebohrte Nist­röhrchen benötigen. Jedoch sei „selbst die Anschaffung geeigneter Insektenho­tels nur sinn­voll, wenn gleichzeitig Lebensgrundlagen für die schlüpfenden Wildbienen und andere Arten geschaffen werden“, so Klaus Thiele vom Natur­schutzbund NABU Heidekreis.

 

Im Mittelpunkt steht dabei eine Vielfalt an heimischen Blütenpflanzen, die den Insekten als Nektar-, Pollen- und Samenquelle dienen. Doch gerade diese wert­vollen Wildkräuter wie Löwenzahn, Hornklee, Ehrenpreis, Hahnenfuß oder Kriechender Günsel werden von vielen Gartenbesitzern vehement bekämpft, weil sie die Verunkrautung ihrer Beete befürchten und das Idealbild der in den Hochglanzmagazinen und Werbespots propagierten „grünen Gärten“ vor Augen haben: Saftig grüne Mono­kulturen, in denen die Halme einer einzigen Grassorte, akkurat gestutzt, dicht an dicht stehen und die eher an einen samtigen Teppich als an einen natürlichen Lebensraum erinnern. Wenn diese perfekten Golfrasen zudem tagtäglich von einem Mähroboter abrasiert werden, haben nicht nur Wildkräuter, sondern auch Spinnen, Blindschleichen, Eidechsen und Igel und andere kleine Tiere nicht die geringste Chance. Sie werden schlicht überrollt, verstümmelt und verletzt, während „Biene Maja“ und ihre wilden Verwandten hungrig davonbrummen.

 

Wer in diese Werbefalle getappt ist, aber nun daran denkt, seinen artenarmen, monotonen Garten in ein lebendiges, vielfältiges Refugium umzuwandeln, findet unter www.NABU.de/gartenvielfalt viele Informationen und Tipps zur naturnahen Gartengestaltung. Dabei empfiehlt es sich, schrittweise vorzugehen. „Man muss nicht gleich seinen gesamten Garten umkrempeln“, betont Pressesprecherin Dr. Antje Oldenburg. „Auch mit wenig Aufwand lassen sich Nahrungsquellen und Lebensräume für bedrohte Arten schaffen.“ So kann man beispielsweise statt Thuja oder Kirschlorbeer heimische Beerensträucher und Gehölze pflanzen, unter der Hecke auf Jäten und Laubharken verzichten, ein Staudenbeet oder ei­ne artenreiche Blumenwiese anlegen, Äste in einer Gartenecke aufschichten oder eine Teilfläche nach dem Motto „Mehr Wildnis wagen“ sich selbst überlas­sen.

Ein „Schnitter in der Graswüste“: Mähroboter erzeugen Monokulturen und gefährden Igel, Amphibien & Co. (Foto:NABU)
Ein „Schnitter in der Graswüste“: Mähroboter erzeugen Monokulturen und gefährden Igel, Amphibien & Co. (Foto:NABU)