
Sie gelten als leise, praktisch und effizient: Mähroboter bescheren der Branche seit Jahren steigende Umsätze und kommen inzwischen nicht nur in Privatgärten, sondern zunehmend auch auf Flughäfen, Sport- und Golfplätzen zum Einsatz, wo sie stundenlang ihre Runden drehen und dabei Blühpflanzen, Insekten, Spinnen, Schnecken, Amphibien, Reptilien und kleinen Säugetieren den Garaus machen. Obwohl die Hersteller in den Bedienungsanleitungen darauf hinweisen, dass Mähroboter möglichst tagsüber und unter Aufsicht arbeiten sollen, sind die autonomen Geräte oft nachts unterwegs. Dann tragen sie nicht nur zur Verringerung der Artenvielfalt bei, sondern gefährden auch nachtaktive Tiere, die auf Nahrungssuche über den Rasen stromern und den nahezu lautlos heranfahrenden Mähroboter nicht als Gefahr wahrnehmen. Denn entgegen landläufiger Meinung sind selbst mit Sensoren und Kameras ausgestattete Modelle nicht in der Lage, die schutzlosen Kleintiere zu erkennen.
Die Folgen sind insbesondere für Igel gravierend: Die Anzahl durch Mähroboter schwer verletzter und verstümmelter Igel nimmt kontinuierlich zu und trägt maßgeblich zur Beschleunigung des Bestandsrückgangs der stacheligen Gartenbewohner bei, wie die Leiterin der Igelpflege Rotenburg, Merwel Otto-Link, letzte Woche im Petitionsausschuss des niedersächsischen Landtages ausführte. Gemeinsam mit dem Initiator Diedrich Kleen aus Wiesmoor, dem Vorsitzenden des Landestierschutzverbandes Dieter Ruhnke und der Leiterin des NABU Artenschutzzentrum Leiferde Bärbel Rogoschik begründete die engagierte Tierschützerin ausführlich die Petition für ein landesweites Nachtfahrverbot von Mährobotern und erläuterte anhand von Fotos, welche typischen Verletzungsmuster Igel im Gesicht und am Kopf nach einer Kollision mit den autonomen Geräten aufweisen. „Auch wenn die Forderung der Petenten bei den sichtlich betroffenen Ausschussmitgliedern überwiegend auf Verständnis und Zustimmung stieß, wurde anschließend hauptsächlich über Zuständigkeiten debattiert“, resümiert Dr. Antje Oldenburg, Pressesprecherin des NABU Heidekreis, die die Anhörung gemeinsam mit dem 1. Vorsitzenden Klaus Todtenhausen im Forum des Landtages verfolgte. „Da Informations- und Aufklärungskampagnen zu wenig Wirkung zeigen, haben zahlreiche Kommunen und Landkreise den Schutz nachtaktiver Wildtiere durch Allgemeinverfügungen gestärkt. Um den Flickenteppich kommunaler Einzelregelungen zu vereinheitlichen und einen flächendeckenden Schutz zu garantieren, darf die Verantwortung nicht länger zwischen Land, Bund und EU hin- und hergeschoben werden. Die Politik muss zügig ins Handeln kommen, sonst folgt auf das nächste Frühlingserwachen für Igel & Co. der Mährobotertod.“